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Bio-Saatgut

Freitag, den 28.03.14

150 Teilnehmer aus 19 Ländern diskutierten in Posen über ökologische Pflanzenzüchtung

Mit ermutigenden Ergebnissen ist das "EkoSeedForum - Europäische Tagung zu Öko-Saatgut, Öko-Pflanzenzüchtung und Agro-Biodiversität" in Posen zu Ende gegangen. Mit etwa 150 Teilnehmern aus 19 Ländern übertraf das Interesse an dieser Konferenz die Erwartungen der Organisatoren. "Die Konferenz soll die Entwicklung einer eigenständigen ökologischen Pflanzenzüchtung und Saatguterzeugung in Mittel- und Osteuropa unterstützen und wir sind froh, dass dafür unsere Universität als Veranstaltungsort gewählt wurde", sagte der Rektor der Universität Posen, Grzegorz Skrzypczak, in seiner Eröffnungsrede. Bernhard Jansen, Geschäftsführer des Hauptorganisators EkoConnect - Internationales Zentrum für den ökologischen Landbau Mittel- und Osteuropas e. V. betonte, dass es um mehr gehe als nur die Bereitstellung von Saatgut für den ökologischen Landbau: "Bei der Züchtung von Saatgut geht es um nicht weniger als um unsere Zukunft. Denn wir sind zu einem nicht geringen Teil das was wir essen und wir essen was wir säen". Saatgutvielfalt müsse darum ein Allgemeingut bleiben und dürfe nicht den Wirtschaftsinteressen einiger weniger Konzerne unterworfen werden.

Im ersten Abschnitt der Tagung ging es um den Aufbau der ökologischen Pflanzenzüchtung in Mittel- und Osteuropa (MOE), die hier erst in wenigen Ländern, wie Lettland, Estland, Slowenien und Ungarn vertreten ist. Gebhard Rossmanith von der Bingenheimer Saatgut AG stellte das Netzwerk des Initiativkreises für Gemüsesaatgut aus biodynamischem und ökologischem Anbau vor, das seit nunmehr 30 Jahren Pionierarbeit leistet in der Erzeugung von ökologisch vermehrtem Saatgut, der Erhaltung von wertvollen Sorten sowie der Neuzüchtung von samenfesten Sorten für den professionellen Ökogemüsebau in Mitteleuropa. Er machte dabei klar, dass es für den ökologischen Landbau keine Alternative zum weiteren Aufbau einer unabhängigen ökologischen Pflanzenzüchtung gibt. Im Bioanbau bestünden bezüglich Nährstoffaneignungsvermögen, Unkrautunterdrückung, Krankheitsresistenzen und vor allem Geschmack andere Anforderungen an die Sorten als in der konventionellen Züchtung. Außerdem entstünden die Sorten aus konventioneller Züchtung zunehmend mit Techniken, die zu den Prinzipien des Ökolandbaus nicht mehr passen, wie z. B. die Zellfusion. Nicht zuletzt sei die freie Vermehrbarkeit von Saatgut ein wichtiges Prinzip, die bei konventionell gezüchteten Sorten kaum mehr möglich sei. "Wenn der Ökosektor nicht eine eigene Züchtung aufbaut, so gehen ihm bald die passenden Sorten aus", erklärte Gebhard Rossmanith.

Auf reges Interesse stieß bei den Teilnehmern auch das von Kultursaat-Geschäftsführer Michael Fleck vorgestellte Konzept des FAIR-BREEDING® aus Deutschland. Die an diesem Projekt beteiligten Naturkost-Groß- und Einzelhändler geben 0,3 % ihres Umsatzes mit Obst und Gemüse an die biologisch-dynamischen Gemüsezüchter des gemeinnützigen Vereins Kultursaat, der wiederum seine Züchtungsaktivitäten insbesondere bei Blumenkohl intensiviert. Seit dem Start im Winter 2007/08 konnten bereits knapp 100.000 EUR zur Verfügung gestellt werden. "Mit Blick auf die CMS-Hybrid Debatte reicht dieser Betrag zwar noch nicht aus, aber durch das langfristige Engagement und die inhaltliche wie finanzielle Beteiligung des Handels und damit der Verbraucher sind wir auf dem richtigen Weg. Wir würden uns freuen, wenn unser Modell Schule macht", so Michael Fleck.

Teilnehmern, die sich für den Einstieg in die Öko-Züchtung interessieren, machte René Groenen, Bio-Gärtner und Züchter aus den Niederlanden Mut: "Jeder Bio-Bauer der sich für eine Kultur interessiert und bereit ist zu lernen und kooperieren kann züchten." So lief Züchtung seit Jahrtausenden und so fingen auch heute wieder Biolandwirte mit Züchten an, die mit den vorhanden Sorten nicht mehr zufrieden sind. Monika Messmer, Züchterin am FIBL Schweiz und Vorsitzende des Europäischen Konsortiums für Ökologische Pflanzenzüchtung (ECO-PB) zeigte in ihrem Vortrag, dass ökologisch gezüchtete Sorten und Sorten für den ökologischen Landbau unbedingt auch unter Bedingungen des ökologischen Landbaus in der amtlichen Sortenprüfung getestet werden müssten. "Unsere Studien haben eindeutig gezeigt, dass die meisten gut für den Ökolandbau geeigneten Sorten nicht zugelassen würden, wenn sie nur unter den üblichen konventionellen Bedingungen getestet würden", so die Wissenschaftlerin. Die Sortenprüfung unter Ökobedingungen sei aber in den meisten Ländern MOE noch nicht möglich, was die Mitgliedsstaaten ändern sollten.
Zum Thema Zulassungsbedingungen von Öko-Sorten überraschte dann aber Edward Gacek, Direktor des polnischen Sortenamtes COBORU, die Teilnehmer. Er zeigte sich sehr offen Vorschlägen gegenüber, dass die Zulassungsprüfung von Sorten für den ökologischen Landbau auch unter Ökolandbau-Bedingungen erfolgen sollten: "Wir haben schon seit einigen Jahren solche Überlegungen. Wir könnten uns vorstellen, schon sehr bald unter Öko-Bedingungen zu testen und sind für Vorschläge des Ökosektors dankbar. Unsere Türen stehen offen".

Der zweite Teil der Tagung hatte den Schwerpunkt der Erhöhung des Einsatzes von unter Biobedingungen vermehrtem Saatgut. In MOE ist das eine noch weitgehend ungelöste Aufgabe. Oft stammt nur weniger als 10% des im Ökolandbau verwendeten Saatgutes aus ökologischer Vermehrung. Dies stellt eine nicht unerhebliche Wettbewerbsverzerrung dar und gibt Saatgutvermehrern wenig Anreiz, Ökosaatgut herzustellen. Dass die EU-Öko-VO laut ihrem aktuellen Revisionsentwurf den Gebrauch von ökologisch vermehrtem Saatgut verbindlicher vorschreiben und nur noch wenige Jahre Ausnahmen zulassen will, wird den Handlungsbedarf noch wesentlich vergrößern.

Klaus-Peter Wilbois vom FIBL Deutschland stellte ein seinem Vortrag dar, dass mehr Transparenz zum Bio-Saatgutangebot notwendig wäre, damit die Anbieter nicht auf ihrem Bio-Saatgut sitzen blieben und das Angebot vergrößerten. Moderne Datenbanken wie www.organicxseeds.org könnten diese Transparenz bieten. Hier könne zu jedem Zeitpunkt die Verfügbarkeit abgelesen werden, auch für die Vergangenheit. "Eine Excel-Tabelle im Internet an schwer zu findender Stelle kann das nicht leisten", so Wilbois. Die Mitgliedsstaaten seien gefragt praxistaugliche Lösungen einzusetzen. Wilbois wies zudem auf die großen Chancen hin, die im vermehrten Einsatz von Biosaatgut liegen: "Die Biosaatgut-Produktion ist ein interessanter Betriebszweig von dem viele Landwirte profitieren könnten". Ilze Skrabule vom lettischen Priekuli Plant Breeding Institut erläuterte, dass die Verbraucher in MOE oft wenige Details zur Ökoproduktion wüssten und die Saatgutherkunft kein großes Thema für sie sei. Ökolandwirte würden regelmäßig die hohen Preise des Bio-Saatgutes beklagen. Es wäre wesentlich mehr Öffentlichkeitsarbeit notwendig, um ein Bewusstsein bei Verbrauchern und Landwirten zu schaffen.

In die gleiche Richtung gingen auch die Empfehlungen, die Gebhard Rossmanith von der Bingenheimer Saatgut AG machte. In dem von ihm dargestellten positiven Beispiel aus den Niederlanden gelang eine deutliche Intensivierung von Ökosaatgut bei Angebot und Verwendung dadurch, dass sich alle Beteiligten mit positivem Willen an einen Tisch setzten, inklusive des Handels. Dieser spielt laut Rossmanith eine entscheidende Rolle und sollte auch durch die Gesetzgebung mit einbezogen werden. Maßgeblich sei aber die Kommunikation bis hin zu den Konsumenten, die zweifelsfreie Ökoprodukte erwarten: Naturkost vom Samen an.

Quelle: EkoSeedForum